Warum so viele Jugendliche nach dem Abitur orientierungslos sind – und wie du als Elternteil helfen kannst (2025)
Wenn das „Was will ich werden?“ zur täglichen Belastung wird
Das Abitur ist geschafft, die Schule vorbei – eigentlich ein Grund zum Feiern. Doch statt Erleichterung macht sich Unsicherheit breit: „Und jetzt? Studium? Ausbildung? Erst mal reisen? Aber wohin soll die Reise überhaupt gehen?“ Wenn dein Kind gerade orientierungslos an diesem Punkt steht, wirst du vielleicht diese Szenen kennen:
- endlose Gespräche ohne Ergebnis: „Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll.“
- ständiges Vergleichen mit Freunden, die scheinbar schon ihren perfekten Weg kennen.
- eine Mischung aus Überforderung, Druck und der Angst, die falsche Entscheidung zu treffen.
Diese Orientierungslosigkeit ist kein Einzelfall – im Gegenteil. Viele Jugendliche stehen nach der Schule vor einem Dschungel an Möglichkeiten und fühlen sich damit völlig überfordert. Sie hören Ratschläge von allen Seiten, haben aber das Gefühl, dass keiner wirklich versteht, was sie selbst wollen oder brauchen. Und genau hier liegt das Problem: Wir erwarten von jungen Menschen, dass sie in einem Alter, in dem sie sich noch selbst finden, bereits eine lebensverändernde Entscheidung treffen.
Ich habe es in meiner langjährigen Arbeit Abiturient*innen in der Phase der Studien- und Berufswahl immer wieder gesehen: Die meisten wissen gar nicht, wie sie diese entscheidende Frage beantworten sollen, und das verursacht Stress und Unsicherheit. Als Karrierecoach und Expertin für berufliche Orientierung habe ich diesen Prozess so strukturiert, dass er am Ende für jede*n eine gute eigene Entscheidung ermöglicht.
In diesem Beitrag wirst du erfahren:
- Wie du deinem Kind in dieser Übergangszeit echte Orientierung gibst.
- Welche ersten Schritte wichtig sind, um den „Beruf der Zukunft“ zu finden.
- Wie du den Druck reduzieren und deinem Kind das Vertrauen in seine Entscheidungskraft zurückgeben kannst
Nach dem Lesen dieses Beitrags wirst du wissen, wie du dein Kind in dieser entscheidenden Phase unterstützen kannst, damit der „Was will ich werden?“ – Gedanke nicht mehr zur Belastung wird. Bereit? Dann lass uns starten!
Warum so viele Jugendliche mit der Berufswahl überfordert sind
Die Berufswahl nach dem Abitur stellt viele Jugendliche vor eine große Herausforderung. Früher war der Weg meist vorgegeben: eine Ausbildung oder ein Studium, häufig im gleichen Bereich wie die Eltern. Heute gibt es jedoch eine Vielzahl von Möglichkeiten – über 20.000 Studiengänge, ca. 2.000 duale Studiengänge und mehr als 300 anerkannte Ausbildungsberufe. Diese schier unendliche Auswahl führt dazu, dass sich viele Jugendliche überfordert fühlen und nicht wissen, welche Richtung sie einschlagen sollen.
Der Druck von außen
Ein weiterer Faktor, der viele Jugendliche bei der beruflichen Orientierung nach dem Abitur belastet, ist der enorme Druck von außen. Eltern, Lehrer und Freunde haben oft eine klare Vorstellung davon, was „sinnvoll“ oder „zukunftssicher“ ist. Doch dieser Druck kann dazu führen, dass Jugendliche sich noch unsicherer fühlen und die „richtige“ Entscheidung nicht treffen können. Die vielen unterschiedlichen Meinungen verwirren sie und verstärken das Gefühl, in der Berufswahl auf unsicherem Terrain zu stehen.
Die Angst vor der falschen Wahl
Ein häufiges Problem bei der Berufswahl ist die Angst vor der falschen Entscheidung. Viele Jugendliche stellen sich die Frage: „Was, wenn ich den falschen Beruf wähle? Was, wenn ich später unglücklich bin?“ Diese Sorge ist absolut nachvollziehbar, denn eine berufliche Entscheidung wird oft als lebenslange Wahl gesehen. Es ist wichtig zu akzeptieren, dass es nicht die eine perfekte Wahl gibt, sondern dass es darum geht eine gute Wahl zu treffen, die zur Persönlichkeit des Kindes passt.
Fehlende Selbsterkenntnis bei der Berufswahl
Ein weiteres Hindernis bei der Orientierung nach dem Abitur ist die fehlende Selbsterkenntnis. Viele Schüler wissen nicht genau, was sie interessiert oder welche Stärken sie haben. Das liegt häufig daran, dass sie sich nie intensiv mit diesen Fragen beschäftigt haben. Stattdessen haben sie sich oft mit den Anforderungen der Schule auseinandergesetzt, ohne sich bewusst zu fragen, was sie selbst wirklich wollen. Diese fehlende Selbsterkenntnis macht es schwer, eine fundierte Entscheidung für eine berufliche Orientierung zu treffen.
Wie du dein Kind durch den Dschungel der Möglichkeiten begleitest
Fakt 1: Zu viele Optionen führen zu Entscheidungslähmung
Kennt ihr das Gefühl, wenn einem einfach so viele Möglichkeiten offenstehen, dass man nicht mehr weiß, wo man anfangen soll? Es ist wie in einem riesigen Kaufhaus, in dem es tausend Regale gibt, aber du nicht weißt, was du überhaupt suchst. Genauso geht es vielen Jugendlichen, wenn sie sich nach dem Abitur oder der Ausbildung plötzlich entscheiden sollen, in welche Richtung es beruflich gehen soll.
Ich habe das oft erlebt – viele meiner Klienten waren regelrecht blockiert von der Masse an Möglichkeiten, die sich ihnen boten. Anstatt eine klare Richtung zu finden, waren sie einfach überfordert und wussten nicht, welcher Schritt der richtige wäre. Und das ist völlig verständlich! Wer könnte in einem so weiten Feld der Wahlmöglichkeiten noch eine klare Entscheidung treffen, ohne sich dabei wie ein Navigationssystem ohne GPS zu fühlen?
Und dann kommen noch gut gemeinte Ratschläge wie „Wähl einfach das, was dir Spaß macht!“ – aber was, wenn sie noch nicht mal wissen, was ihnen wirklich Spaß macht? Oder wenn sie sich für viele Dinge interessieren und keine Ahnung haben, wie sie diese Interessen mit einem Beruf verbinden können?
Ein effektiverer Ansatz ist es, die Optionen erstmal zu reduzieren. Statt den ganzen Berufshimmel zu betrachten, sollte man sich auf eine kleine Auswahl konzentrieren. So wie bei einer Einkaufsliste – wenn du weißt, was du wirklich brauchst, fällt dir die Entscheidung viel leichter. Was hilft, ist, diese Auswahl dann genauer zu betrachten. Welche Berufe sind spannend und machen Sinn? Welche Interessen könnte man in einem Beruf unterbringen? So wird der Dschungel der Möglichkeiten von einem überwältigenden Chaos zu einer überschaubaren Liste von Optionen, mit denen man sich aktiv beschäftigen kann. Und die man, z.B. in der Praxis testen kann durch Praktika usw.
Ich habe auch gemerkt, dass viele Jugendliche sich durch die Vielfalt von Studiengängen oder Berufsfeldern unter Druck gesetzt fühlen, gleich die perfekte Entscheidung zu treffen. Aber das muss gar nicht sein! Was sie oft brauchen, ist ein Schritt-für-Schritt-Ansatz – nicht die Illusion, sofort alles zu wissen. Und auch das ist in Ordnung. In meinem Coaching sehe ich immer wieder , wie ein strukturiertes Vorgehen dabei hilft, den Fokus zu finden und den Weg zu einer fundierten Entscheidung zu ebnen.
Fakt 2: Die Suche nach der „perfekten“ Entscheidung kann den Weg blockieren
Ich weiß noch, wie oft ich mir als Jugendliche Gedanken über meinen zukünftigen Beruf gemacht habe. Wenn man jung ist, scheint alles so viel schwerwiegender, oder? Es geht nicht nur um den Beruf, es geht um das ganze Leben! Aber die Vorstellung, dass es den einen „perfekten“ Job gibt, der einem Erfüllung bringt, setzt einen unter enormen Druck.
Gerade nach dem Abitur oder der Ausbildung fühlt es sich oft so an, als müsste man jetzt sofort wissen, was man in den nächsten 40 Jahren tun wird. Das führt nicht nur zu Angst und Unsicherheit, sondern auch zu einer extremen Überforderung. Denn wer weiß mit 18 wirklich, wie sich alles entwickeln wird? Und warum sollte man auch? Unsere Interessen und Lebensziele ändern sich – das ist normal.
Ich erinnere mich an viele Gespräche mit Jugendlichen, die ganz fest glaubten, dass sie mit ihrer ersten Wahl „den Rest ihres Lebens“ festlegten. Was eine immense Last auf den Schultern dieser jungen Menschen legte. Der Schlüssel ist, nicht gleich eine endgültige Entscheidung treffen zu müssen, sondern den ersten Schritt zu gehen. Einen Schritt, der zur eigenen Persönlichkeit passt – mit der Freiheit, später noch Anpassungen vorzunehmen und den Weg genauer zu definieren. Und genau dieses Vertrauen, dass es okay ist, nicht alles sofort zu wissen und bis zum Ende durchzuplanen, ist es, was vielen meiner Klienten geholfen hat, den Druck abzubauen.
Fakt 3: Oberflächliche Ratschläge können den Entscheidungsprozess eher blockieren
Ich habe es schon oft gehört: „Such dir einfach einen Job, der gut bezahlt ist!“ – eine gut gemeinte, aber oft wenig hilfreiche Empfehlung. Denn klar, das Gehalt ist wichtig, aber wenn der Job nicht zu den eigenen Stärken und Interessen passt, wird der Erfolg meist schnell in Frustration umschlagen.
Ein Beruf sollte nicht nur das finanzielle Einkommen sichern, sondern auch eine Quelle der Zufriedenheit sein. Gerade in einem so entscheidenden Moment wie der Wahl des Berufs ist es entscheidend, nicht nur auf den äußeren Schein zu achten, sondern sich wirklich die Frage zu stellen: Was möchte ich in meinem Leben erreichen? Was liegt mir wirklich? Welche Werte will ich durch meinen Beruf vertreten?
Für viele ist es auch hilfreich, sich nicht nur mit den harten Fakten auseinanderzusetzen (wie „was verdient man als X?“), sondern tiefer in die Tätigkeiten des Berufes einzutauchen. Ich habe Klienten erlebt, die ganz neue Perspektiven auf ihren Wunschberuf gewonnen haben, als sie sich intensiv mit den Aufgaben und Arbeitsbedingungen beschäftigten, die mit diesem Beruf verbunden sind. So wird der Beruf nicht nur zum „Job“, sondern zu einer Entscheidung, die sich gut anfühlt und Sinn ergibt.
Wie du deinem Kind wirklich weiterhilfst
Die wichtigste Aufgabe als Elternteil ist es, den Druck rauszunehmen und den Entscheidungsprozess in kleine, machbare Schritte zu unterteilen. Anstatt von „Ich muss jetzt alles wissen“ auszugehen, hilft es, den Fokus auf eine kleine, realistische Auswahl zu lenken. Und dabei hilft, wie bei einem klaren Plan, die Optionen genau zu untersuchen. Nicht jeder Schritt muss sofort zum großen Ziel führen – das Wichtigste ist, ins Handeln zu kommen und den nächsten Schritt klar zu definieren. So wird der Dschungel der Möglichkeiten nicht mehr wie ein undurchdringlicher Wald wirken, sondern wie ein Spaziergang, bei dem die Richtung Stück für Stück klarer wird. Unten findest du den Link zu meinem kostenlosen Eltern-Guide „Abi – und jetzt?“, der noch mehr Tipps für diese spannenden Phase für dich bereithält.
Die Orientierungslosigkeit deines Kindes in der Berufswahl ist kein unlösbares Problem
Im Gegenteil, denn mit der richtigen Unterstützung lässt sich schnell Klarheit schaffen. Doch es ist wichtig, diese Unsicherheit bewusst wahrzunehmen, denn wenn du nichts daran änderst, kann es passieren, dass dein Kind wertvolle Zeit verstreichen lässt, zunehmend frustriert wird und irgendwann ganz aufgibt, weil es nicht weiß, wo es anfangen soll.
Hol dir als Unterstützung gerne meinen kostenlosen Eltern-Guide „Abi – und jetzt?“. Dort findest du alles, was du wissen musst, um dein Kind gezielt durch diese Phase zu begleiten – inklusive hilfreicher Links, Checklisten und einer begleitenden E-Mail-Serie, die dich Schritt für Schritt unterstützt.
Und wenn du lieber persönlich besprechen möchtest, wie du deinem Kind konkret helfen kannst, dann vereinbare gern ein kostenloses Kennenlerngespräch mit mir. Gemeinsam finden wir den passenden Weg!